Greenkeeper beim Bundesligisten: Sein Arbeitsplatz ist die BayArena
In seiner Freizeit ist Marco Stephan als Sportlicher Leiter beim A-Kreisligisten SSV Dhünn aktiv. Beruflich unterstützt der Wermelskirchener die Fußballprofis von Bayer 04 Leverkusen.
Während andere morgens ins Büro oder in den Betrieb fahren, steuert Marco Stephan die BayArena in Leverkusen an. Der Wermelskirchener, der beim Fußball-A-Kreisligisten SSV Dhünn die sportliche Leitung innehat, arbeitet beim Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen als angehender Greenkeeper.
"Bei meinem Job stellen sich viele immer nur ein bisschen Rasenmähen vor", sagt Marco Stephan kopfschüttelnd. Tatsächlich steckt deutlich mehr dahinter. Seit 2018 pflegt Stephan nicht nur den Rasen im Stadion, sondern hält auch die Grünflächen rund um die Anlage in Schuss.
Diese Aufgaben übernehmen Greenkeeper bei den Fußballprofils Zuvor hatte er 2015 eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer absolviert. "Aber ich wollte immer irgendwie in den Sportbereich", erzählt er. Die Ausbildung habe sich angeboten, weil sie breit gefächert sei und ihm verschiedene berufliche Möglichkeiten eröffnet habe. Drei Jahre später heuerte er bereits in Leverkusen an. Und verband seine Leidenschaft mit seinem Beruf.
Vor und während der Trainingseinheiten der Profis sind Stephan und seine Kollegen für die optimale Vorbereitung der Rasenplätze auf der Anlage zuständig. Und auch bei den Spielen stehen einige Greenkeeper in der Arena bereit, um bei Bedarf sofort kleinere Schäden am Spielfeld auszubessern. Zu Stephans Lieblingsaufgaben gehört das Linieren. Aber auch Mähen, Reparieren, Bewässern, Belüften, Düngen und der Witterungsschutz sind feste Bestandteile seines Arbeitsalltags. Am wenigsten mag er die Kontrolle des Tornetzes.
Diese Weltstars erlebte Marco Stephan schon live Wenn Marco Stephan an besondere Momente seines Jobs denkt, sind es vor allem die Spiele mit echten Fußballgrößen, die hängen geblieben sind. Zum Beispiel das Champions-League-Duell der Leverkusener mit Juventus Turin, als auch Superstar Cristiano Ronaldo auf dem Rasen der BayArena stand. "Das war schon etwas Besonderes", sagt der Wermelskirchener. "Wann hat man schon mal die Möglichkeit, Ronaldo live zu sehen?"
Auch die Partie gegen Paris Saint-Germain kommt ihm in den Sinn, als Zlatan Ibrahimovic auf dem Rasen stand. Viel Zeit, mit den Topstars zu sprechen, hatte Stephan naturgemäß nicht. Eine Erkenntnis blieb ihm dennoch: "Das sind irgendwo immer noch Menschen, so wie ich und du." Die Liste der Topspieler, die Stephan aus nächster Nähe erlebt hat, hört da aber noch lange nicht auf. Neben Lars Bender, Stefan Kießling und Robert Andrich gehören dazu natürlich auch zahlreiche aktuelle Leverkusener Profis.
Die Frage nach seinem Lieblingsverein dürfte sich mit Blick auf seinen Mitarbeiterausweis fast erledigt haben. Auch wenn das nicht automatisch für seine Familie gilt. "Mein Bruder ist Bayern-Fan", erzählt Stephan lachend. Für ihn ist das kein Problem. Große Rivalitäten gebe es nicht. Denn auch wenn sein Herz für die Werkself schlägt, geht es Marco Stephan vor allem um eines: "Ich habe einfach Bock auf coole und spannende Spiele." Trotzdem weiß er: "Du hast eine ganz andere Bindung zum Verein, wenn du für ihn arbeitest."
Während seines Arbeitstages kann Stephan dies jedoch gut ausblenden. Schließlich muss der 32-Jährige voll konzentriert sein, wenn er Zugfahrzeuge oder Anbaugeräte bedient. Besonders wichtig sind für ihn und seine Kollegen die Sommermonate zwischen den Spielzeiten. "Dann legen wir den Grundstein für die kommende Saison", erklärt er.
Die Verantwortung ist entsprechend groß, auch weil sich als Greenkeeper nicht alles kontrollieren lässt. Die Schäden von Frost und Schnee beispielsweise. Aber auch die heißen Sommermonate mit wenig Regen stellen das Team häufig vor Herausforderungen. "Dieses Jahr waren wir zum Beispiel fast durchgehend am Bewässern", sagt Stephan. Immer mit dem Ziel, das bestmögliche Ergebnis für den Verein zu erzielen. Im Stadion wird deshalb ausschließlich per Hand gemäht. Größere Maschinen dürfen dort nicht auf den Rasen.
Vom Spieler zum Torwarttrainer zum Sportlichen Leiter Privat begann Marco Stephans Fußballleidenschaft beim Hastener TV. Als aktiver Spieler startete er zunächst im Sturm. "Dafür war ich allerdings zu lauffaul", sagt er lachend. Deshalb probierte er es stattdessen anderthalb Jahre als Torwart. 2018 zog er sich dann einen Knorpelschaden zu: Das Ende seiner aktiven Laufbahn. Seine Liebe zum Fußball aber blieb.
Durch Zufall sah Stephan einige Jahre später, dass der SSV Dhünn für die Bezirksligasaison 2021/22 einen Torwarttrainer suchte. Daraufhin kam er mit dem damaligen Trainer Kristian Fischer ins Gespräch. "Es gab einfach keinen im Verein, mit dem ich mich nicht verstanden habe", sagt der Wermelskirchener. Mittlerweile sticht dabei der aktuelle Trainer und ehemalige Leverkusener Dennis Schmidt heraus. "Für mich ist er einer der besten Trainer überhaupt", betont Stephan.
Nach drei Jahren als Torwarttrainer wurde er schließlich für die Saison 2024/2025 Sportlicher Leiter des SSV Dhünn und ist es bis heute. "Dabei hätte ich früher nie gedacht, dass diese Position zu mir passen könnte", sagt er. Doch die Kaderplanung und die Gespräche mit den Spielern zu führen, liegen ihm.
Am Ende sei es das Zusammenspiel aus Trainern, Spielern, Fans und dem besonderen "Dorfcharme" gewesen, das Marco Stephan an den SSV Dhünn gebunden habe. So ist der Fußball für ihn längst mehr als ein Hobby: beruflich beim Bundesligisten in Leverkusen und ehrenamtlich beim A-Kreisligisten in Dhünn.