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7.

August

2026

FUSSBALL-SENIOREN

Vor dem Saisonstart: Welche neuen Fußballregeln auch im Amateurbereich greifen - und welche nicht

Unterzahl nach Unterbrechungen
Countdown bei Einwürfen und Abstößen
Zeitlimits für Auswechslungen

Mit den ersten Pflichtspielen an diesem Wochenende beginnt die Saison 2026/27. In dieser gibt es einige Veränderungen, die schon bei der WM heiß diskutiert wurden. Oberliga-Referee und Lehrwart Marvin Szlapa gibt eine detaillierte Einordnung und erklärt auch, was er von den Neuerungen hält.

Neben dem Balogun-Skandal, dem Wettschießen der Stars und dem überschaubaren Leistungsniveau der deutschen Mannschaft gab es bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft vor allem ein Diskussionsthema: die neuen Regeln. Doch was davon findet auch im Amateurbereich Anwendung? Vor dem Start der Saison 2026/27 klären wir gemeinsam mit Marvin Szlapa, dem Lehrwart des Fußballkreises Remscheid/Solingen, auf.

Wer in den vergangenen Wochen Testspiele auf den Fußballplätzen der Region angeschaut hat, dürfte überall die gleiche Erfahrung gemacht haben, wie Szlapa. "Es gibt schon viele Nachfragen", hat der Remscheider Schiedsrichter, der seit 2019 auf Oberliga-Niveau pfeift und dort mittlerweile bei 69 Partien steht, bei seinen Einsätzen festgestellt.

1. Regeländerung: Unterzahl nach Unterbrechungen
Vor allem eine neue Regel sorgt für Diskussionen. Wird eine Partie unterbrochen, weil ein Spieler beispielsweise auf dem Boden liegen bleibt, muss dieser anschließend das Feld für eine Minute verlassen. Und zwar auch dann, wenn er nicht behandelt wird. "Das ist die größte Veränderung", findet Szlapa.
Wobei es immer auch noch einen Toleranzspielraum geben soll. So kann der Schiedsrichter, wenn die Partie aus einem anderen Grund unterbrochen wurde, auch kurz den Dialog mit dem Spieler suchen, bevor dieser der Regel nach vom Feld muss. "Wenn wir aber merken, dass es ihm nur um Zeitspiel geht, muss man reagieren", verdeutlicht der Lehrwart.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Es gibt aber, wie bei jeder guten Regel, Ausnahmen. So greift sie nicht für Torhüter, bei einer schweren Verletzung und auch nicht, wenn der am Boden liegende Spieler durch ein Foul verletzt wurde, für das eine persönliche Strafe ausgesprochen und die anschließende Behandlung schnell abgeschlossen wurde.
Auch muss ein Spieler nicht vom Feld, wenn er im Strafraum gefoult wurde und als Schütze für den fälligen Elfmeter vorgesehen ist.

2. Regeländerung: Countdown bei Einwürfen und Abstößen
Auch diese Regel wurde bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko der Öffentlichkeit präsentiert: Verzögert ein Spieler bei einem Einwurf oder beim Abstoß die Ausführung, zählt der Schiedsrichter ab sofort einen fünfsekündigen Countdown runter. Szlapa: "Dies soll er aber dann auch mit einem Pfiff ankündigen."
Die Konsequenzen laut Regelwerk: Ist der Countdown abgelaufen und das Spiel immer noch nicht fortgesetzt, wechselt der Ballbesitz. Im Falle eines Einwurfs bekommt das gegnerische Team den Ball und kann einwerfen, beim Abstoß bekommt das gegnerische Team einen Eckstoß zugesprochen.

3. Regeländerung: Zeitlimits für Auswechslungen
Um das Spiel schneller und damit attraktiver zu machen, wird auch bei Auswechslungen konsequenter gegen Zeitspiel vorgegangen. So muss ein Spieler innerhalb von zehn Sekunden nach angezeigtem Wechsel den Platz verlassen. Gelingt das nicht, muss er trotzdem runter und der Einwechselspieler mindestens eine Minute draußen warten.
Dabei kann dies im Gegensatz zur Regel der Spielunterbrechungen auch deutlich länger dauern. Denn der Wechsel kann erst dann vollzogen werden, wenn mindestens eine Minute verstrichen und die Partie unterbrochen ist. Im Vergleich dazu darf ein beispielsweise am Boden liegender Spieler, wegen dem eine Partie unterbrochen wurde, nach einer Minute vom Schiedsrichter wieder während des Spiels aufs Feld geholt werden. "Nur nicht in direkter Ballnähe", präzisiert Szlapa.

Keine Regeländerung in zwei Vergleichsfällen zur WM
Eine Regel, die bei der Weltmeisterschaft erstmals umgesetzt wurde, wird es im Amateurbereich nicht geben: den Platzverweis für versteckte Beleidigungen hinter vorgehaltener Hand. "Ich will gar nicht wissen, was dann auf den Plätzen der Region los gewesen wäre", muss Marvin Szlapa schmunzeln.
Was aber im Gegensatz zur WM weiterhin in den unterklassigen Ligen angewendet werden soll, ist die Kapitänsregel. Die wurde bekanntlich vor einem Jahr eingeführt und beinhaltet, dass sich bei gravierenden Entscheidungen des Schiedsrichters nur der jeweilige Kapitän mit diesem austauschen darf. "Das finde ich auch wichtig", sagt der Schiri-Lehrwart, der sich durchaus gewundert hat, dass die Regel bei der Weltmeisterschaft ignoriert wurde.

Positives Fazit: Mehr Mittel gegen Zeitspiel und Unsportlichkeit
Generell steht Marvin Szlapa den Anpassungen des Regelwerks positiv gegenüber. "Ich finde es super, dass wir Schiedsrichter mehr Mittel haben, gegen das Zeitspiel und die Unsportlichkeiten vorzugehen." Allerdings ist ihm auch bewusst, dass beispielsweise die Countdowns deutlich mehr Aufwand für die Unparteiischen bedeuten. Gerade für die, die Spiele in der Kreis- oder Bezirksliga alleine leiten müssen.
Auch deshalb appelliert er dazu, gerade im unterklassigen Bereich auch weiterhin mit Fingerspitzengefühl und Augenmaß zu pfeifen. Szlapa: "Wichtig bleibt der gesunde Menschenverstand."


rga, 7.8.2026

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