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FUSSBALL-JUGEND
4.4.2022
Reform der Spielform im Kinderfußball
Analyse: Ab der Saison 2024/2025 wird bis zur E-Jugend nur noch auf kleine Tore ohne Torwart gespielt.
Der Jugendfußball steht vor einer Reform, die es in diesem Ausmaß lange nicht gegeben hat und so schnell wohl auch nicht mehr geben wird. In den jüngsten Altersklassen bis inklusive der E-Jugend soll ab der Saison 2024/2025 eine neue, modernere Spielform Realität werden, die in den vergangenen beiden Jahren bundesweit schon getestet wurde und die im Kern vorsieht, dass in kleineren Mannschaftsgrößen ohne Torhüter auf mehrere kleine Tore gekickt wird. Auch der Wettbewerbsgedanke soll minimiert werden, indem statt in klassischen Meisterschaftsrunden in Turnier- oder Eventform gespielt wird.

Was genau ist die Intention des Deutschen Fußball-Bundes, der die Reform initiiert hat?

Auf den Punkt gebracht geht es dem DFB darum, den Spaß am Spiel zu fördern und den Leistungsdruck zu minimieren. Ronny Zimmermann, der DFB-Vizepräsident für Kinder- und Jugendfußball, verdeutlicht: "Die neuen Spielformen sollen allen auf dem Platz so häufig wie möglich die Chance geben, den Ball selbst am Fuß zu haben. Die Kleinsten sollen aktiv am Spiel teilnehmen und möglichst viele Tore schießen." Außerdem sollen Kopfbälle in den Anfangsjahren der Fußballerinnen und Fußballer vermieden werden. Unter anderem deswegen werden Einwurf und Abstoß durch ein Eindribbeln ersetzt.

Wo liegen die Gründe für diese gravierenden Veränderungen?

Obwohl so nicht offiziell kommuniziert, spielt sicherlich die Diskussion auf höchster Ebene um fehlende Straßenfußballer in Deutschland und die Entwicklung der Nationalmannschaft im internationalen Vergleich eine Rolle. Der DFB begründet sie unter anderem mit der Feststellung, dass "aktuell im Kinderfußball häufig zu früh Wert auf Taktik gelegt wird, worunter die Ausbildung der fußballerischen Grundlagen leidet". Dies sei durch viele Untersuchungen herausgefunden worden.

Wie genau soll der Fußball in der neuen Spielform für die Kinder aussehen?

Auf Turnieren wird es mehrere Kleinspielfelder mit Mini-Toren geben, wobei Größe und Anzahl von der Altersklasse abhängt. Dort stehen sich jeweils zwei-, drei- (G- und F-Jugend), vier- oder maximal siebenköpfige Mannschaften (F- und E-Jugend) gegenüber. Diese spielen nicht um Punkte oder eine Tabellenposition, sondern unter Leitung der Trainer und Betreuer – Schiedsrichter gibt es nicht – um den Aufstieg in das nächste Spielfeld. Nach jedem erzielten Tor soll ein Spielerwechsel vollzogen werden.

So viel zur Theorie. Wie könnte die Praxis im Kreis Remscheid aussehen?

Carsten Balke, der Jugendausschussvorsitzende, erklärt: "Wie genau die einzelnen Abläufe bei diesen Events sind, wird in den kommenden Wochen noch genauer definiert. Für die nächsten zwei Jahre wird es bis zur verbindlichen Einführung eine Übergangslösung geben. Dazu werden wir im Kreis Remscheid ab der kommenden Saison 2022/23 beide Spielformen parallel anbieten für den G- und F-Jugendbereich." Die Vereine können dann sowohl für die neue Spielform Mannschaften melden als auch noch für eine klassische Meisterschaftsrunde. Balke: "Ziel ist dabei, spätestens zur verbindlichen Einführung dann alle Vereine in die neue Spielform abgeholt zu haben."

Wann werden die Vereine ausführlich informiert?

Der Kreisjugendausschussvorsitzende sagt: "Wir werden regelmäßig weitere Demo-Veranstaltungen anbieten, um noch unentschlossene Vereine in die neue Spielform einzubinden. Spätestens auf der Arbeitstagung vor den Sommerferien werden wir alle entsprechenden Informationen und Abläufe bekanntgeben."

Zuletzt stand die Reform schon auf der Tagesordnung beim Kreistag der Jugend. Auch in der Trainerausbildung ist die Spielform schon länger Inhalt. Wie sind generell die Reaktionen von den Verantwortlichen der Clubs im Kreis?

Unterschiedlich. "In der Anfangszeit", erinnert sich Carsten Balke, "waren viele sehr skeptisch und nicht davon überzeugt. Da fielen auch schon ein paar kritische Worte. Das wandelt sich aber. Die Reaktionen sind mittlerweile überwiegend positiv." Seiner Meinung nach gäbe es schon einige Vereine, die im Training die neuen Inhalte umsetzen. Von daher verspreche man sich mit dieser Lösung zukünftig eine breite Zustimmung und wachsende Basis in den Vereinen. "Auch wenn es nach wie vor noch Zweifler und auch Gegner gibt."

Balke ist selbst aber voll von der neuen Form des Kinderfußballs überzeugt. Er sagt: "Unsere Aufgabe im Kreisjugendausschuss wird es sein, in den nächsten Wochen und Monaten die Inhalte mit den Vereinen zusammen in die Jugendarbeit der Clubs zu transportieren. Und ich bin guter Dinge, dass wir es gemeinsam schaffen werden."


rga, Fabian Herzog, 4.4.2022


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